Internationale VGP in Libejovice/Tschechien
vom 19-21.09.2008 (Aus der Sicht eines Schlachtenbummlers)
Die folgenden drei Tage, über die ich jetzt berichte, handeln von einer Hundeprüfung, an der ich auf Einladung von Winfried Edelmann teilgenommen habe. Er hat seinen Hund „Westfalens Chef“ zur internationalen VGP in Tschechien angemeldet und mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit dorthin zu fahren. Da ich das Land bis dahin noch nicht kannte, sagte ich spontan zu.
So machten wir uns denn am Freitag, den 19.08.2009 zu viert (Winfried, seine Gattin Angelika, Chef und ich) auf den langen Weg nach Libejovice in Tschechien. Kurz nach 06:00 Uhr fuhren wir los. Das Wetter war ausgezeichnet, ein strahlender Spätsommertag. Nach etwa Stunden ereignisloser Fahrt erreichten wir dann unser bereits gebuchtes Hotel und checkten ein.
Viel Zeit blieb uns nicht mehr, denn wir mussten bis 16:00 Uhr im Suchenlokal „U Kiewegu“ in Libejovice eintreffen. Da das Navigationsgerät von Winfried den Ort nicht kannte und wir keine Straßenkarte von Tschechien hatten, gab es einige Schwierigkeiten, dorthin zu finden. Dabei war der Ort nur etwa zehn Kilometer von unserem Hotel in Vodnany entfernt. Nach mehrmaligen Fragen wies man uns dann endlich in die richtige Richtung und wir kamen rechtzeitig in Libejovice an.
Im Lokal waren schon einige Teilnehmer mit ihren Anhang versammelt, die anderen trudelten nach und nach ein. Mein erster Eindruck war, dass die Organisation ziemlich chaotisch war. Das fing schon mit der fehlenden Wegbeschreibung zum Suchenlokal an und setzte sich mit dem unpünktlichen Beginn der Veranstaltung fort.
Schließlich war es dann doch soweit. Nach der Begrüßung zogen sich die Richter zur Beratung zurück. Anschließend wurden die teilnehmenden Hunde von einem Veterinär im Suchenlokal auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Das Ganze ging sehr zügig über die Bühne. Danach wurden die Startnummern für Gespannt vergeben. Winfried zog die Nummer 8. Es folgten noch einige organisatorische Anweisungen, dann fing der gemütliche Teil an.
Wir saßen mit der deutschen Mannschaft (H.-J. Brünnet mit Attila Suid Lohn, Winfried Edelmann mit Westfalens Chef, Armin Meyer mit Solojägers Ulme) einem Tisch. Altmeister Hans Sämmer mit Bea von der Schorlemscher Rentei kam später und nahm einige Tische weiter Platz. Es gab natürlich einiges zu erzählen, da man sich schon von anderen Prüfungen kannte. Thema des Tages waren zwangsläufig die Hunde! Zwischendurch nahmen wir ein frugales Abendessen zu uns. Die Portionen waren winzig. Dafür waren aber auch die Preise für unsere Begriffe mehr als niedrig. Ein Abendessen kostete umgerechnet 4,50 €, ein halber Liter Bier 0,80 €, ein halber Liter Apfelschorle 0,50 €, um nur einige Beispiele zu nennen.
Es wurde noch ein recht gemütlicher Abend, der aber früh endete, da wir alles müde waren und morgen in aller Frühe aus den Federn mussten.
20.09.2008 (Samstag)
Um 07:00 Uhr saßen wir wieder im Suchenlokal und frühstückten. Das Frühstück war für unsere Begriffe gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Nur mit dem Kaffee hatten wir etwas Schwierigkeiten. Dieser wurde hier nach „Art der Großmutter“ zubereitet: Kaffeemehl in ein Glas, heißes Wasser drauf und fertig ist der Kaffee. Man musste ihn sehr vorsichtig trinken, sonst kam der Kaffeesatz mit hoch. Doch im Laufe des Tages gewöhnten wir uns dran.
Um 08:00 Uhr wurden die Teilnehmer der VGP auf den Sportplatz in Libejovice gebeten, wo die offizielle Eröffnung stattfinden sollte. Die Schlachtenbummler waren selbstverständlich auch mit dabei. Nun erfolgte ein feierliches und stilvolles Zeremoniell. Die gesamten Honoratioren des Bezirksjagdvereins, der Bürgermeister und sogar ein Regierungsvertreter (Senator) sowie Vertreter des Tschechischen Jagdhundewesens waren anwesend. Das Wetter hatte sich inzwischen verschlechtert, Wolken waren aufgezogen und es war empfindlich kühl. Zum Glück blieb es den ganzen Tag trocken.
Der Beginn der Veranstaltung wurde durch eine Gruppe Jagdhornbläser angekündigt, die nach dem Blasen ein Lied anstimmten, dessen Inhalt uns aber bis zum letzten Tag verborgen blieb. Danach wurden die üblichen Reden in Tschechisch und Deutsch geschwungen, es erfolgte die Vorstellung der Gespanne und die Zuweisung zu den einzelnen Arbeitsgruppen. Anschließend kamen noch einmal die Bläser mit Horn und Lied zum Zuge, danach brachen wir in die eizelnen Reviere auf.
Winfried wurde als erster zur Wasserarbeit gebeten. Der Teich war nicht weit vom Sportplatz entfernt und wir kamen schnell dorthin. Man musste sich aber sputen, um den Anschluss an die tschechischen Führer zu halten, denn uns war das Gelände unbekannt. Hier hätte man das besser organisieren können, z.B. indem man jedem Teilnehmer eine Wegbeschreibung ausgehändigt hätte. Das wurde auch im Laufe der Tage nicht viel besser. Aber irgendwie haben wir es doch immer geschafft, die Prüfungsorte zu finden.
Am Teich angekommen, wurde zuerst ein tschechisches Gespann geprüft. Es galt zunächst, eine tote Ente, die ins Schilfwasser geschmissen wurde, zu finden und zu apportieren. Der Tscheche machte seine Sache recht gut, nur mit dem Apportieren haperte es etwas. Während wir zuschauten, wurde im Schilf ein Stück Rehwild hoch. Es floh an uns vorbei, überfiel im wahrsten Sinne des Wortes den abgelegten Chef und verschwand. Chef hatte die ganze Gelegenheit nicht sonderlich aufgeregt, er blieb seelenruhig liegen. Dann war Winfried mit Chef an der Reihe. Er erledigte seine Sache mit Bravour und bekam die volle Punktzahl. Ein guter Einstand!
Bei dieser und auch den folgenden Prüfungen ging es sehr formell zu. Der Hundeführer stellte sich mit gezogenem Hut den Richtern vor, die ebenfalls barhäuptig waren und bat darum, die Prüfung absolvieren zu dürfen. Nach der Freigabe wurde dann die Arbeit erledigt. Danach wurde sofort das Urteil verkündigt, ebenfalls barhäuptig.
Der nächste Punkt war die Prüfung der Schussfestigkeit. Danach wurde die Bereitschaft zur Arbeit im tiefen Wasser geprüft. Hierbei musste der Hund ins Wasser gehen und mindestens 15 Meter vom Ufer schwimmen und auf Befehl seines Führers die Richtung ändern. Hierfür gab e ein Zeitlimit von 2 Minuten. Auch hier holte Chef vier Punkte.
Beim freien Stöbern im Schilfwasser hatte Chef auch keine Schwierigkeiten. Leider war das Schilf schon mehrmals durch gestöbert worden, so dass kein Wild mehr hochgemacht wurde. Es langte trotzdem für die volle Punktzahl.
Nach der Wasserarbeit war eine Pause angesagt. Wir fuhren zum Biwakplatz, wo es Festes und Flüssiges zur Stärkung gab. Hier wurden natürlich auch die bisher gemachten Erfahrungen ausgetauscht. Nach etwa einer Stunde ging es dann weiter zu den nächsten Prüfungen, diesmal im Feld.
Die Prüfungen begannen im kleinen Feld mit der Federwildschleppe, dann folgten Hasen- und Fuchsschleppe. Chef erledigte die Arbeiten bravourös, musste jedoch einen Punkt abgeben, weil er vor dem Ausgeben eine Runde um Winfried drehte.
Danach ging es ins große Feld. Hier durchkämmten mehrere Führer zusammen in einer Böhmischen Streife eine große Wiese. Bewertet wurden Suche, Vorstehen, Nachziehen, Gehorsam an Feder- und Haarwild sowie das Benehmen nach dem Schuss. Auch hier holte Chef die volle Punktzahl.
Die letzte Prüfung an diesem Tag war eine Suche in einem Johannisbeerfeld. Bei dieser Arbeit wurde alles vorkommende Wild geschossen und musste von den Hunden ohne Kommando gebracht werden. Hier bewies Chef mal wieder sein Können. Er fand zügig eine Fasanenhenne und stand fest vor. Danach stand er plötzlich noch einmal mitten im Feld vor und ließ sich auch von Winfried, der nicht sah, warum der Hund vorstand, nicht beirren. Schließlich stellte sich heraus, dass sich ein Igel im Laub eingegraben hatte, der von Chef aufgenommen undapportiert wurde. Die Prüfer waren begeistert.
Damit war der erste Prüfungstag beendet. Uns erwartete am heutigen Abend im Nachsuchenlokal eine feierliche Soiree. Also fuhren wir erst einmal in Hotel, um uns dem Anlasse entsprechend landfein zu machen.
Um 19:00 Uhr waren wir wieder vor Ort. Große Dinge warfen dort ihre Schatten voraus: Zwei Musiker bereiteten sich auf der Bühne auf ihren Auftritt vor. Auf einer Tafel wurden inzwischen die erreichten Punktzahlen notiert. Zu diesem Zeitpunkt belegte Winfried mit Chef den ersten Platz, die deutsche Mannschaft hatte leider Ausfälle zu beklagen.
Solojägers Ulme von Armin Meyer war als Bringselverweiser gemeldet. Der Hund kam auch zum Stück, fand aber den Rückweg nicht. Die Hündin lief zum Auto und blieb dort bei Frau Meyer und Tochter. Fazit: Zeitüberschreitung = Null Punkte.
Attila Suid Lohn von H.-J. Brünnet, ebenfalls als Verweiser gemeldet, apportierte kurzerhand das Stück (Rehkitz) über 300 Meter. Das war zwar eine beachtenswerte Leistung, ergab aber ebenfalls nur null Punkte.
Aber abgerechnet wird bekanntlich zum Schluss.
Winfried Edelmann hatte Westfalens Chef als Totverbeller ausgebildet und wollte diesen auch als solchen melden. Doch nach Rücksprache mit dem deutschen Manschaftsbetreuer Norbert Wirsing, der ihm davon abriet, verzichtete er aber kurz entschlossen auf die evtl. zu erwartenden Mehrpunkte und entschied sich für die klassische Riemenarbeit. Das sollte sich bei dem vorkommenden Wildreichtum und den Verleitungen auf den Fährten als kluge Entscheidung erweisen. Chef holte seine vier Punkte.
Die Soiree begann mit dem gemeinsamen Abendessen. Die Portionen waren diesmal, vielleicht aus dem aktuellen Anlass, reichlicher, so dass wir nicht nachfassen mussten. Es wurde ein lustiger Abend mit Musik und Tanz. Aktuelles und einziges Thema an unserem Tisch: Hunde!
Gegen 23:00 Uhr waren nur noch die Tschechen, die zunehmend zutraulicher wurden, Fam. Edelmann, Norbert Wirsing und ich im Saal. Da kam die Überraschung des Abends. Der Wirt brachte den verbliebenden Gästen geräucherte und gegrillten Karpfen sowie Speck und Brot auf Kosten des Hauses an den Tisch. Da war ein Hochgenuss und wir langten kräftig zu. Irgendwann wurde es dann dich zu spät und wir machten uns auf den Heimweg, um morgen für die weiteren Prüfungen fit zu sein.
21.09.2008 (Sonntag)
Der letzte Prüfungstag war angebrochen. Um 07:00 Uhr saßen wir wieder im Suchenlokal beim Frühstück. Mein Hunger war heute nicht so groß, der Fisch von gestern lag mir noch schwer im Magen. Nach dem Frühstück versammelten wir uns zwecks neuer Einweisung noch einmal auf dem Sportplatz, dann ging es los ins Revier. Winfried hatte anscheinend auch Schwierigkeiten mit dem Fisch, denn er musste dringend auf den Topf. Als er sein Geschäft erledigt hatte, waren alle Mitstreiter schon Richtung Revier verschwunden und wir mussten uns mühsam durchfragen. Trotzdem kamen wir noch pünktlich am Prüfungsort am. Heute war Waldarbeit angesagt. Das Wetter hatte sich seit gestern nicht gebessert.
Bei der ersten Prüfung mussten die Hunde einen Fuchs über ein Hindernis apportieren. Das Hindernis ist ein 80 cm breiter Graben. Chef absolvierten diese Übung in gewohnter Weise und holte die volle Punktzahl.
Nun ging es Schlag auf Schlag weiter: Es folgten Hasen und Fuchsschleppe. Hierbei spielte, wie bei fast allen Prüfungen, die Zeit eine große Rolle. Wenn der Hund geschickt worden war, hatte er vier Minuten Zeit, um die Arbeit zu erledigen. Dafür gab es dann vier Punkte. Brauchte der Hund zwischen vier und sechs Minuten, gab es drei Punkte, zwischen sechs und acht Minuten gibt es zwei Punkte und zwischen acht und zehn Minuten einen Punkt. Bei nur einem Punkt war die Prüfung nicht bestanden. Die gebrauchte Zeit wurde von jedem Richterobmann mit der Stoppuhr kontrolliert. Überflüssig zu sagen, dass Chef jeweils vier Punkte holte.
Als nächster Punkt stand die Pirsch mit Ablegen auf dem Programm. Nach den bereits beschriebenen Formalitäten ging Winfried mit seinem Hund frei bei Fuß langsam los. Nach 50 Schritten legte er Chef ab und pirschte noch 15 Schritte weiter, um dort einen fiktiven Anschuss zu untersuchen. Danach rief er Chef durch ein Handzeichen zu sich. Was nun folgte hatten die Prüfer wahrscheinlich noch nie gesehen, denn ihnen blieb der Mund vor Staunen offen stehen. Chef pirschte sich unendlich langsam, wie auf Zehenspitzen, an Winfried heran, ging dann gemeinsam mit ihm noch 50 Schritte weiter und wurde wieder abgelegt, Winfried pirschte alleine noch mal 50 Schritte und ging dann, für Chef unsichtbar in Deckung. Fünf Minuten musste er nun ausharren. Auf ein Zeichen der Prüfer wurde in dieser Zeit ein Schuss abgegeben, den Chef jedoch ignorierte. Dann kam das Gespannt zu den Prüfern zurück. Diese waren von Chef und seiner Arbeit sehr angetan und brachten das auch deutlich zum Ausdruck. Natürlich gab es die volle Punktzahl. Aber es kam noch besser!
Nun mussten wir ein ganzes Stück laufen, um zur Schweißfährte zu gelangen. Die Prüfer warteten schon auf uns und Winfried konnte sofort mit der Arbeit beginnen. Er legte Chef die Schweißhalsung an und verwies den Anschuss. Chef nahm die Witterung auf und führte, ohne sich irgendwie verleiten zu lassen, Winfried auf dem schnellsten Weg zum erlegten Stück. Klarer Fall: Volle Punktzahl. Man merkte es den Prüfern an, dass sie von dem Gespann begeistert waren.
Damit war die Arbeit für den Vormittag erledigt und wir gingen zum Biwakplatz, um uns für weitere Taten zu stärken. Chefs Leistung hatte sich inzwischen herumgesprochen und er erntete bewundernde Blicke.
Nach der kurzen Pause ging es dann zu den letzten Prüfungen: Freiverlorenbringen eines Fuchses, Stöbern und Buschieren. Klarer Fall: Chef holte überall die volle Punktzahl. Wieder waren die Prüfer von dem Hund begeistert und des Lobes voll. Als letzte Übung stand das Verhalten am Stand an. Auch hier gab es kein Fehlverhalten, so dass die gesamte Waldarbeit mit der vollen Punktzahl eingefahren wurde. Tolle Leistung von Führer und Hund.
Nach 13:00 Uhr saßen wir wieder im Suchenlokal und harrten der Dinger, die da kommen. Auf der Tafel waren inzwischen weitere Gespanne eingetragen und es zeichnete sich ab, dass Winfried zu mindestens auf einem vorderen Platz landen würde. Die Zeit verging und immer mehr Gespanne trafen ein und wurden eingetragen. Um ca. 17.00 Uhr war dann alles klar: Winfried und Chef gingen als Sieger mit 482 von 492 Punkten (ohne Verbellen oder Verweiser) aus der IVGP hervor. Außerdem erhielt er noch einen Sonderpreis für die beste Wasserarbeit. Zudem wurde auch die deutsche Mannschaft, trotzt der Ausfälle am ersten Tag, mit 1760 Punkten. Sieger. Da war die Freude natürlich groß.
Um 18.00 Uhr begann dann die offizielle Siegerehrung mit allem Brimborium und Winfried wurde mit Preisen und Pokalen überhäuft. Die anschließende Siegesfeier dauert bis in den späten Abend.
Mein Fazit der IVGP: Trotz einiger organisatorischer Mängel im Vorfeld der Prüfung, war diese insgesamt sehr gut vorbereitet und durchgeführt. Die Prüfungsorte waren gut ausgewählt und beschildert, die Prüfer unparteiisch, urteilten fair und gerecht, waren überaus freundliche und bemühten sich, deutsch zu sprechen. Das ganze Umfeld vor, während und nach der Prüfung, war stimmig. Außerdem hatte ich seit langen Jahren nicht mehr so viel Wild zu jeder Tageszeit in Anblick bekommen. Ich hatte in diesen Tagen einiges über die Hundeausbildung gelernt.
22.09.2008 (Montag)
Nach dem Frühstück im Hotel, das auch nicht berauschend war, machten wir uns auf den Heimweg. Unterwegs versuchten wir noch, die überzähligen Kronen zu verbraten, was mir auch leidlich gelang. Um 18.30 Uhr trafen wir dann bei den Edelmann´s ein. Ich trank noch einen Kaffee, dann fuhr ich die letzten Kilometer nach Hause.
Horst W. Westbeld

