Philosophie der Hundeausbildung im Grundsatz

Lehren wir dem Hund etwas zu tun oder gewöhnen wir ihm etwas  ab?

 

 Das wichtigste noch einmal in Kürze, auf den Punkt  gebracht!

 Grundsätzlich gilt: DER HUND IST KEIN MENSCH !!

 

Assoziationzeit

 Hieraus ergibt sich wie wichtig das optimale Timing im Training ist! Als Ausbilder haben wir nur max. 1 Sek. Zeit (besser 0,5 Sek.), damit der Hund die von uns gewünschte Handlung mit dem Hörzeichen verknüpft. Unter Konditionierung verstehen wir eine Assoziation immer und immer wiederholen.

Klassische Konditionierung:

Bei der klassischen Konditionierung werden Reflexe des Organismus auf einen vorher unbedeutenden Auslösereiz hin konditioniert. (Pavlov!) Auch sollte nicht vergessen werden, man kann „nicht, nicht Konditionieren!“. (Bsp.: grüne Klamotten – „Hurra“, „ich“ gehe jagen! – läuft über klass. Konditionierung!).

Tipp: Deshalb sollte man jede Arbeit mit einem bestimmten Ritual beginnen, und dann heißt es für den Hund reflektorisch, jetzt kommt diese bestimmte Arbeit! (z.B. bestimmtes Lobwort für eine folgende Arbeit, besser noch Nonverbal). In diesem Bereich (z.B. Finderwille) kann man sich die klass. Konditionierung zu Nutzen machen (ein bestimmter Gegenstand bringt immer Erfolg – ein anderer Gegenstand bringt nie eine Belohnung) – das muss dann immer wieder in Trainingssituationen geübt werden. Der Hund muss lernen nur das eine bringt Lob – das andere hingegen nie, dann lernt der Hund sehr schnell, welcher Gegenstand gebracht werden soll. (Apportel + Wurstschale!, Tauben etc.)

Instrumentelle Konditionierung:

Bei der instrumentellen Konditionierung werden Assoziationen geknüpft zwischen einer von Hund steuerbaren Handlung und von einer bestimmten Reaktion aus der Umwelt (Ausbilder) auf die Handlung: d.h. der Hund kann willentlich steuern! Und lernt an Versuch und Irrtum bzw. die Konsequenz seines eigenen Handelns. (Apportel + Gassi gehen! – Totverbellen). Gefahr Hund fängt an uns zu konditionieren!

 

Belohnung und Korrektur

Belohnung:

Grundsätzlich gilt: Das Verhalten wird öfter gezeigt. = positive Verstärkung

Korrektur:

Ein bestimmtes Verhalten wird seltener gezeigt =negative Verstärkung

 

Positiv

Ein vermehren von guten Gefühlen und Empfindungen geprägtes Verhalten.

 

Negativ

Ein durch verringern oder ausschalten von kleinen oder großen unangenehmen Gefühlen geprägtes Verhalten.

  

Bei Einsatz von Korrektur sind allerdings noch folgende 4 Punkte  unbedingt zu beachten:

  • Korrektur muss so schnell erfolgen (max. 1 Sek.), dass der Hund es mit der Handlung verknüpft.
  • Korrektur muss so stark sein, dass die „unerwünschte Handlung“ zuverlässig abgebrochen wird, ohne emotionalen Schaden für den Hund.
  • Korrektur muss immer erfolgen, wenn die unerwünschte Handlung gezeigt wird!!!
  • Korrektur darf nur mit der Handlung verbunden werden – nicht mit dem Hundeführer! „Wutausbrüche seitens der Hundeführer /-in haben in der Hundeausbildung nichts zu suchen!“, wieder Timing! (Bsp.: Hund läuft weg und wird fürs zurückkommen bestraft!)

Auch bei der Belohnung gibt es einige Punkte, die zu beachten sind, um Erfolg zu haben:

  • Qualität und Quantität sind wichtig.
  • Ob eine Belohnung als solche empfunden wird, hängt auch davon ab, wie oft sie dem Hund zur Verfügung steht, weniger zeitlich richtig eingesetzt ist mehr.
  • Die richtige Belohnung für die richtige Trainingseinheit.
  • Innerhalb der Belohnung gibt es deutliche Unterschiede (Trockenfutter – oder höherwertige Wurststücke, nicht vergessen der Hund ist von Hause aus ein Schlinger!!)

 Zu 4. Kontrasteffekte:

Positiver Kontrast bedeutet der Hund erwartet Trockenfutter oder taktiles Lob, erhält aber ein Stück Wurst, er wird sich mehr anstrengen!

Negativer Kontrast – damit macht man sich als Ausbilder das Leben mit dem Hund selber schwer!

Hund erwartet Wurst, und erhält nur Trockenfutter, infolge wird er das Verhalten nicht mehr so gut zeigen (die Enttäuschung war zu groß!).

Beispiel aus der Praxis:

Hasenspur – Wenn der Hund die Hasenspur auf Befehl abbricht (negativ) muss er als Belohnung sie wieder aufnehmen dürfen (positiv) – aber Vorsicht – Timing! (AH)

 Noch ein Wort zum „Können“ – ein Hund kann etwas, wenn er mindestens 4000bis 6000 fehlerfreie Wiederholungen gezeigt hat, vergisst aber, wenn das Können nicht wiederholt abgerufen wird!!!

 

Häufige Fehler in der Hundeausbildung

  • Viel zu schnelles Vorangehen.
  • Zu schneller Aufbau von Handlungsketten, wobei vielen „Zweibeinern“ häufig die Komplexität einer Übung die nur ein Wort (z.B. Apport) belegt, gar nicht bewusst ist!
  • Dem Hund fehlt die Bestätigung für richtiges Verhalten, dies kann über die Stimme „so ist fein“ etc. oder aber auch durch Körpersprache auftrainiert werden (Der Schenkelklopfer)

 Was macht man, wenn der Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt?

  • Man signalisiert ihm über ein Abbruchsignal, - brich dein Verhalten ab.
  • Konditioniertes Meideverhalten = Korrekturwort – in dem Moment wo der Hund ein Meideverhalten zeigt, muss ich ihm signalisieren: „Jawohl!“, das will ich haben! Hierbei ist ganz wichtig, dass kein anderes vom Hund angebotenes Verhalten belohnt werden darf (wichtig das Ja – Nein – Prinzip).
  • Strafloben ist zu vermeiden, erst die Reaktion abwarten!

 Gerade in der mangelhaften Kommunikation  zwischen Halter und Hund liegt die Crux – erst muss der Hundeführer genau definieren was er will, d.h. die Definition der Kommandos ist elementar wichtig, und lässt zumeist zu wünschen übrig!

Dies bedeutet aber auch für uns Hundeführer, dass man während der Arbeit voll konzentriert sein muss, um selber Fehler zu vermeiden. Für den Hund muss klar erkennbar sein: „Jetzt sind wir bei der Arbeit“, und „jetzt ist Schluss.“

Last but not least – eine letzte komplexe Handlungskette aus der Praxis – das Apportieren.

Apport

Was soll der Hund alles tragen? Wichtig: genau definieren was er alles tragen soll!

Was heißt Apport?

  • Schnell zum Apportier – Gegenstand laufen
  • Sofort Aufnehmen
  • Halten, ohne noch mal abzulegen
  • wenn der Gegenstand aufgenommen wurde, sofort zum HF zurückkommen, ohne zu markieren  (Rüden!, oder anderweitig verzögert
  • der Hund soll sitzend den Gegenstand vor dem HF halten (anbieten).

Aus – gehört nicht in diese Übung. Es ist eine Übung per se und sollte vor dem Apportierablauf trainiert werden, um dann irgendwann mit der Apportübung zu kombinieren. Beim Training sollten komplexe Handlungen in Segmente geteilt und einzeln trainiert werden, und anschließend wieder zusammengesetzt werden.

Hierfür gibt es grundsätzlich zwei Wege:

  • Verhalten formen, Formen heißt: jeder einzelne Schritt, den der Hund Hund richtig macht wird belohnt.
  • Bei Handlungsketten besser rückwärts aufbauen, weil es für den Hund schneller belohnend ist.

MGP – Mehr – Geruchs – Prägung

Ein Hund kann in einem Arbeitsgang auf mehrere (synthetischen) Düfte geprägt werden. Es geht dabei immer um eine Duft – Handlungsverknüpfung. Diese Mehr – Geruchs – Prägungen werden bei Rauschgift-, Brandmittelbeschleunigern- Sprengstoff-, und vielen anderen Spürhunden erfolgreich angewandt.

Bei unseren Jagdhunden haben wir natürlich auch eine angeborene  Duft – Beuteverknüpfung. Dies wird so bei der Ausbildung genutzt.

Schweißkonzentrat, ebenfalls aus mehreren Sorten Schweiß. Zu Beginn der Ausbildung ebenfalls Mehrfachprägung!

Auch in Verbindung Schweiß mit Schleppenarbeit!

 

Mit besten Wünschen

Winfried Edelmann

PS; Bei Unklarheiten, bitte Fragen!!!