Leitfaden-02 für den neuen Hundebesitzer
Einige Gedanken für den ersten Jagdeinsatz Ihres jungen Jagdbegleiters!
Aus dem bedingungslosen Gehorsam heraus lernt der junge Hund mit der Zeit, dass sein Herr zwar langsamer ist, aber mit Hilfe seiner Waffe viel leichter Beute machen kann. Ich wünsche jedem Hundeführer, dass er diese der Einarbeitung mit seinem Hund alleine in einem wildreichen Revier durchleben darf. In dieser Zeit wird aus dem Lehrer und dem Schüler ein Gespann. Jeder kennt die Schwächen des Anderen und versucht, sie zu ergänzen. Fehler können auf Grund der vorhandenen Zeit ausgemerzt werden. Um wie viel schlechter ergeht es dem Hundeführer, der mit seinem Hund als einer unter vielen an einer Gesellschaftsjagd teilnimmt. Hat der Hund einen starken Jagdtrieb, gepaart mit Schwächen im Gehorsam, so wird der Jagdherr dem Hund bald Leinenzwang auferlegen. Selbst bei gutem Gehorsam wird der Jagdtag für beide zum Stress. Ständig wird der junge Hund gedrückt. Immer wieder muss der Führer den Vorwärtsdrang seines Hundes, der von den anderen Hunden immer wieder verleitet wird, bändigen. Bekommt der Hund sein erstes Stück Wild zu fassen, muss er es gleich gegen viele andere Hunde verteidigen. Von überall her ertönen die verschiedenen Hundepfeifen. Und meistens ist ein Hundeführer dabei, der ständig den Trillerpfiff benutzt, da sein Hund sonst überhaupt nicht mehr reagiert. Nach so einem Jagdtag liegt der junge Hund abends in seiner Hütte und denkt sich: „ Wenn der Alte nicht ständig gepfiffen hätte, wäre unser Anteil an der Beute sicherlich größer geworden.“ So oder so ähnlich werden die Gedanken des Hundes am Abend nach der ersten Jagd aussehen. Sie sehen also worauf es ankommt. Der junge Hund lernt erst mit der Zeit, aus dem nötigem Gehorsam heraus, mit seinem Herrn zusammen Beute zu machen und sie Ihm dann bereitwillig zu überlassen. In dieser Zeit entstehen die verschiedensten Gespanne zwischen Mensch und Hund. Da ist zum Beispiel der junge Jäger, der selber voran geht wie ein Terrier. Wo der Hund nicht weiterkommt, geht er durch. Kein Kaninchen wird sitzen gelassen. Und es dauert nicht zu lange, den Holzhaufen, an dem der Hund vor gestanden hat, umzukrempeln. Wenn dann das Kaninchen geschossen wird und der Hund es freudig bringt, so läuft der Führer über vor Freude und Stolz. Der Hund bemerkt dies sofort und wird seinen Herrn von nun an in seinem Jagdstil unterstützen. Der andere Jäger ist nicht so gut zu Fuß und nimmt immer nur aus Freude an der Gemeinschaft oder wegen gesellschaftlicher Zwänge an der Jagd teil. Bringt sein Hund ihm ein Stück Wild, womöglich noch das vom Nachbarn, so nimmt der Führer es nur gezwungermaßen dem Hund ab. Er stört sich daran, das Wild zu tragen, erst recht wenn es das Wild vom anderen ist. Der Hund bemerkt dies sofort. Er stellt sein Arbeit darauf ein, indem er das Wild auch anderen Jägern zuträgt- Das wäre ja noch zu tolerieren. Er kann es aber auch vergraben, fressen oder liegen lassen. Oder er überlässt den anderen Hunden. Da sein Herr keine Lust an der Jagd hat, sucht der Hund sein eigenes Vergnügen. Überjagen, Raufereien oder Desinteresse können die Folge sein.
Man könnte noch viele verschiedene Gespanne beschreiben. Sie haben aber eines gemeinsam. Der Hund richtet sich nach der Art des Jägers zu jagen. Er wird von ihr geformt. Jedenfalls sollte es so sein. Gelegentliche Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Es gibt Hunde, die sind sehr „dominant“ gegenüber ihrem Herrn. Mag sein, dass der Führer unfähig ist den Hund zu führen oder dass sein Frauchen ihm verbietet, mit dem Hund zu schimpfen. Man erlebt sie immer wieder, dieser Gespanne, bei denen der Herr sich nach dem Hund richtet. So bekommt jeder den Hund, den er (sich) – verdient. Wie sich der Hund auf jeweilige Art des Jagens einstellt, liegt am Wesenstyp des Hundes. Der Arbeitstyp bügelt fast jede Unart des Jägers aus. Der pfeilschnelle „Verbrecher“ verzeiht dagegen keinen Fehler in der Führung. Absoluter Gehorsam ist hier wie immer die Vorbedingung für gutes und harmonisches Jagen und somit, eine Freude für den Hundeführer und die Mittäter.
Waidmannsheil
Winfried
Edelmann

